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Kurseelsorgerin Endres wechselt nach Würzburg

Nach sieben Jahren bricht Christine Endres ihre Zelte in Bad Brückenau ab und zieht weiter. Am Montag hat sie ihren ersten Arbeitstag in ihrem neuen Job. Von Würzburg aus wird die Pastoralreferentin Bad Brückenau weiter im Blick behalten.

Es ist still in der Marienkirche im Staatsbad. Gut drei Dutzend Menschen sitzen in den Reihen. Es sind Kurgäste und Einheimische. Sie sind ge kommen, um der "Abendmusik" zu lauschen und die Texte, die Christine Endres ausgewählt hat, auf sich wirken zu lassen. "Geh dem Leid nicht entgegen", liest die Kurseelsorgerin vor. "Und ist es da, sieh ihm still ins Gesicht."

Die "Abendmusik" ist eines von vielen Angeboten der Kurseelsorge in Bad Brückenau. Seit 2006 arbeitet Christine Endres als Kurseelsorgerin der Diözese Würzburg in der Stadt. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit ist sie in der Prümmerklinik unterwegs, die andere gehört den Patienten verschiedener Reha-Häuser. Ab November wechselt Endres nach Würzburg. Als Bereichsleiterin für Diakonische Pastoral- und Sonderseelsorge ist sie in Zukunft für alle Klinikseelsorger der gesamten Diözese zuständig. Ein Karrieresprung.

Entscheidung für Theologie

"Das war nicht mein Karriereplan", sagt die 51-Jährige. Aber was ist schon ein Karriereplan. Geboren ist Endres in Stockheim im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld. Nach ihrem Abitur in Mellrichstadt entschloss sich die junge Frau, in Würzburg katholische Theologie zu studieren. "Ich hatte schon damals das Gefühl: Ich will mitgestalten."

Ihre ersten Stationen führten Endres nach Geiselbach und Kleinkahl bei Aschaffenburg und später nach Alzenau, das auch in der Nähe von Aschaffenburg liegt. 1998 wechselte sie in die Nähe von Würzburg. In Ger brunn vertritt sie für ein Jahr den Pfarrer und leitet als Frau die Gemeinde. "Eine tolle Erfahrung", erinnert sie sich gerne zurück. "Der Nachbar-Pfarrer hat mich total unterstützt."

Von den Patienten beeindruckt

Mit der Stelle als Kurseelsorgerin verlässt Endres erstmals die klassischen Arbeitsfelder ei ner Pastoralreferentin - Religionsunterricht in Schulen, Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung, Gestaltung von Gottesdiensten - und widmet sich Menschen, die nicht notwendigerweise etwas mit Kirche am Hut haben.

"Ich habe mit Leuten zu tun, die sind an den großen Fragen des Lebens dran", sagt Endres. Die Kurseelsorgerin scheut sich nicht, diese Fragen auch zu beantworten: "Es zählt letztlich, mit sich selbst im Reinen zu sein und gu te Beziehungen zu haben, die man auch pflegt." Sich eine positive Sichtweise auf das Leben zu bewahren. Dankbarkeit. Optimismus. Gelassenheit.

Dass die zum Teil todkranken Patienten ihr mit Hoffnung und Lebensmut gegenübertreten, beeindruckt Endres immer wie der. "Da profitiere ich selbst unheimlich", sagt sie über ihre Arbeit. Für sie persönlich zeige sich da ein "ganz tiefes Gottvertrauen. Auch wenn die Leute es nicht so nennen".

Hinter den Kulissen

In Zukunft wird Endres nicht mehr vor Ort für die Menschen da sein. Dafür wird sie hinter den Kulissen die Rahmenbedingungen für die Kurseelsorge ge stalten. "Die Finanzen gehen zurück, der Personalmangel zeichnet sich jetzt schon ab", nennt sie nur zwei Herausforderungen, denen sich die Kirche gegenüber sieht. Endres will Prioritäten setzen. "Flächendeckend alles zu bedienen, ist nicht realistisch", sagt sie. Krankenhäuser, in denen die Patienten nur wenige Tage bleiben, bräuchten nicht unbedingt einen Klinikseelsorger. Aber in Häusern wie der Prümmerklinik mit einem geriatrischen Schwerpunkt, in dem die Menschen über mehrere Wochen wieder fit gemacht werden, sieht sie sehr wohl einen Bedarf.

Blick auf die Finanzierung

Auch zur Finanzierung der Kurseelsorge hat Endres klare Vorstellungen. "Kliniken machen Gewinn. Warum sollten sie sich nicht an den Lohnkosten für Seelsorger beteiligen?", fragt sie. Schließlich gehöre ein Kli nikseelsorger zum Qualitätsmanagement der Kliniken. In den Kliniken, in denen sie als Seelsorgerin gearbeitet hat, sei das zum Teil schon umgesetzt worden - wenn auch in kleinem Rahmen.

Bis eine neue Kurseelsorgerin für Bad Brückenau gefunden ist, wird die evangelische Pfarrerin Daniele Roth aus Wildflecken die Arbeit weiter führen. Im Sinn der Ökumene arbeitet Christine Endres mit Roth und bis zum Jahr 2012 auch mit Diakonin Cor nelia Dennerlein zusammen. Auch der Trauerkreis an der Prümmerklinik, den Endres zusammen mit Ilona Kenner im Jahr 2009 ins Leben rief, bleibt bestehen. "Das war mir wichtig, dass die Arbeit weitergeht", ist Endres froh über ihre Nachfolge. Johanna Schießl, die seit Os tern Gemeindereferentin der Pfarreiengemeinschaft St. Georg ist, wird Ilona Kenner in Zukunft unterstützen. "Es war eine bereichernde Zeit, eine erfüllende Zeit", zieht Christine Endres nach sieben Jahren Bilanz.

Die Besucher ihrer "Abendmusik" hören ihr aufmerksam zu, manch einer steckt sich die Kopie mit den Texten ein, um sie später noch einmal zu lesen. Und als Steffen Link aus Motten das letzte Stück auf der Orgel gespielt hat, stehen die Leute auf und applaudieren. Es muss ihnen gefallen haben.

 

Der Artikel, publiziert am 4.11.2013 in der Main-Post und zeitgleich in der Saale-Zeitung, wurde uns dankenswerterweise von der Autorin Ulrike Müller zur Verfügung gestellt.