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Pastoralreferent Christof Gawronski

Kirchen müssen Vorreiter sein

Bundesweites virtuelles Netzwerktreffen der kirchlichen Klimaschutzmanager – Umweltbeauftragter Gawronski: „Es war zugleich motivierend und ernüchternd“

Würzburg (POW) Die Klimaschutzverantwortlichen aus deutschen (Erz-)Bistümern und Landeskirchen, die ein Klimaschutzkonzept in Planung, Vorbereitung oder Umsetzung haben, haben sich am Mittwoch und Donnerstag, 10. und 11. November, zu ihrer jährlichen Tagung getroffen. Diese fand aufgrund der Coronaschutzmaßnahmen virtuell statt. Auf dem Programm standen Fachvorträge zu gelingenden Projekten und Strategien, Neuigkeiten aus der Förderlandschaft und der Austausch der Beteiligten. Neben dem Dauerbrennerthema „Gebäude und Bauen“ lag ein Schwerpunkt auf den Neuerungen in der Förderrichtlinie des Bundesumweltministeriums, schreibt Pastoralreferent Christof Gawronski, Umweltbeauftragter des Bistums Würzburg. Diese sei für die meisten Bistümer und Landeskirchen, die ein Klimaschutzkonzept haben, der bestimmende Rahmen.

Organisiert wurde die Fachtagung auf Initiative der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft und dem dort angesiedelten Projektbüro Klimaschutz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Kooperation mit den Landeskirchen von Baden und Westfalen sowie dem Bistum Würzburg.

Professor Dr. Jürgen Manemann vom Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover zeigte im Eröffnungsvortrag auf, dass die Kirchen dadurch, dass sie im Klimaschutz zu wenig Vorreiterfunktion einnehmen, ihre eigenen religiösen Grundsätze verletzen. Notwendig wäre das ernsthafte Ansinnen, innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre klimapositiv zu werden. Als absolutes Minimum müsste ein Klimanotstand ausgerufen und in der Folge absolut alle Entscheidungen auf ihre Klimarelevanz überprüft werden. Alles andere käme – bildlich gesprochen – einem Einschließen in der Sakristei gleich.

Die weiteren Vorträge beschäftigten sich mit der Umsetzung und den Rahmenbedingungen für aktiven Klimaschutz im Bereich der Kirchen. Christina Höger vom Projektträger Jülich stellte die Neuerungen bei den staatlichen Fördermöglichkeiten durch die Nationale Klimaschutzinitiative vor. Hermann Hofstetter, Referent für Schöpfungsverantwortung im Erzbistum München und Freising, präsentierte den dortigen Katalog zur Auswahl nachhaltiger Baustoffe und -materialien. Über die Förderung von Nachhaltigem Bauen sprach Merten Welsch von Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Die innerkirchliche CO2-Bepreisung, die die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Lausitz eingeführt hat, und die damit verbundene Beschleunigung bei den Klimaschutzüberlegungen der Kirchengemeinden stellte Dr. Jörn Budde vor. Um Möglichkeiten der Kooperation bei der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität ging es beim Vortrag von Jan-Philipp von Gottberg, der für Ladegrün! arbeitet, ein Zusammenschluss, an dem auch die Naturstrom AG beteiligt ist. Mit dieser haben die bayerischen (Erz-) Diözesen eine Strom-Rahmenvereinbarung für kirchliche Einrichtungen und Gemeinden. Florian Hahnfeldt von der Evangelischen Kirche in Baden informierte über die Kooperation kirchlicher Handelsplattformen beim Angebot ökologisch, fair und sozial produzierter Waren. Den Abschluss bildete Daniel Eggstein von der Klima-Allianz Deutschland, an der auch einige kirchliche Organisationen beteiligt sind. Er zeigte die Perspektiven auf, die die Kirchen als öffentlicher Akteur in diesem Feld haben, insbesondere auch in Kooperation mit den anderen Mitgliedern.

„Es wurden viele hochinteressante Überlegungen und Beispiele vorgestellt, auch aus anderen Diözesen und Landeskirchen. Allerdings muss man selbst prüfen, was umgesetzt werden kann“, lautet das Fazit von Gawronski. Als Beispiele nennt er die Verwendung nachhaltiger Baustoffe oder die Nutzung von ökologischen und sozialen Plattformen für den Einkauf. Man müsse erst prüfen, ob so etwas innerhalb der eigenen Bistumsstrukturen sinnvoll und umsetzbar sei. Sehr beeindruckt habe ihn der Vortrag von Professor Manemann. „Es war zugleich motivierend und ernüchternd. Die Kirchen müssten sich in Fragen des Klimaschutzes wirklich vorne dranstellen.“

Die Tagung fand zum elften Mal statt. Mit der steigenden Zahl von Klimaschutzkonzepten oder Vergleichbarem stiegen auch der Vernetzungsbedarf und die Teilnehmerzahl der Tagung. Durch das Onlineformat vergrößerte sich der Teilnehmerkreis zeitweise auf mehr als 80 Personen. Klimaschutzkonzepte oder Ähnliches gibt es in Deutschland mittlerweile in 14 von 27 Diözesen sowie in 17 von 20 Landeskirchen.