Würzburg/Mbinga/Óbidos (POW) Was haben eine IT-Lehrerin im tansanischen Bistum Mbinga und eine Mitarbeiterin für Jugendpastoral im brasilianischen Bistum Óbidos gemeinsam? Beide Stellen werden mit Mitteln aus dem Solidaritätsfonds „Weinbergsarbeiter:innen“ unterstützt. Vor mehr als 30 Jahren wurde der Fonds von den Pastoralreferentinnen und -referenten im Bistum Würzburg gegründet, um arbeitslosen Kolleginnen und Kollegen beim Start in das Berufsleben zu helfen. Das ist heute nicht mehr nötig, und so fördert der Fonds seit 2014 Projekte in den Partnerbistümern. „Es geht darum, gut qualifizierten Leuten eine Stelle vor Ort anzubieten. Der Gedanke ist, dass sich die Stellen nach drei Jahren Förderung von selbst tragen“, sagt Afrikareferent Burkhard Pechtl von der Diözesanstelle Weltkirche. Sein Kollege Alexander Sitter, Referent für Lateinamerika, erklärt: „Es ist für mich das Idealbild eines partnerschaftlichen Miteinanders.“
Happyness Manguya unterrichtet seit Oktober 2023 Informationstechnologie an der neuen Labor- und Krankenpflegeschule LIHETI (Litembo Health Training Institute) in Litembo. Außerdem wartet sie die Computer, die in der Schule und der Verwaltung im Einsatz sind. Manguya habe einen Bachelor, sagt Pechtl. Um die Stelle für sie attraktiv zu machen, brauche es eine „landestypisch gute Bezahlung“. Der Fonds „Weinbergsarbeiter:innen“ genehmigte für 2024 und 2025 jeweils eine Förderung von 7200 Euro. Die Stelle sei so kalkuliert worden, dass sie sich durch das Schulgeld finanziere, sobald alle drei Jahrgänge des Kurses ausgelastet seien, erklärt Pechtl. Pro Schuljahr könnten maximal 120 Schüler aufgenommen werden. „Im zweiten Jahrgang sind es schon mehr als 90, und wir hoffen, dass 2025/2026 ein großer Jahrgang wird.“ Dann könnte sich die Stelle über das eingenommene Schulgeld tragen.
In den 1980er und 1990er Jahren hätten wesentlich mehr Menschen Theologie studiert als das Bistum angestellt habe, erzählt Pechtl. Die Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten gründeten den Solidaritätsfonds „Weinbergsarbeiter:innen“, um jenen Studienkollegen beim Start in den Beruf zu helfen, die nicht bei der Diözese angestellt wurden. „Teilweise waren es sehr großzügige Spenden“, erinnert sich Pechtl. Mittlerweile seien Theologen rar, und so habe der Fonds nach einem anderen guten Zweck gesucht. Seit 2014 werden Arbeitsplätze in den Partnerbistümern Mbinga und Óbidos unterstützt – jeweils begrenzt auf drei Jahre. Die Idee sei, dass die Stellen „sich dann selbst tragen“.
Im diözesanen Krankenhaus in Litembo sei so beispielsweise die Stelle eines „Medical Technician“ (Medizintechniker) entstanden. Der Mann, der eine Fachausbildung absolviert hatte, richtete eine Reparaturwerkstatt ein, in der medizinische Geräte, aber auch Krankenhausbetten oder Rollstühle gewartet und repariert werden. „Das hatte es vorher noch nicht gegeben. Wenn ein Rollstuhl oder eine Zentrifuge kaputt waren, hat man sie in die Ecke gestellt“, beschreibt Pechtl. Der Solidaritätsfonds unterstützte die Stelle von 2021 bis 2023 mit insgesamt rund 15.000 Euro. Als die drei Jahre vorbei waren, habe sich gezeigt, dass das Krankenhaus durch den eigenen Reparaturdienst eine Menge Geld gespart habe. „Daraufhin wurde die Stelle dauerhaft eingerichtet und man überlegt sogar, eine zweite zu schaffen, weil das auf Dauer Geld spart“, sagt Pechtl.
Es gehe darum, „gut qualifizierten Menschen eine gute und sichere Arbeit anzubieten“, erklärt Pechtl das Prinzip für die Vergabe der Fördermittel. „Die Partnerbistümer haben kaum Geld für Personal, schon gar nicht für Fachkräfte“, ergänzt Sitter. „Aber im Idealfall erkennen sie durch die ,Anschubfinanzierung‘ den Wert einer Stelle und versuchen, das dafür benötigte Geld zu bekommen.“ Manchmal läuft es auch nicht wie erhofft. In Óbidos etwa sei zuletzt eine Mitarbeiterin für die Jugendpastoral gefördert worden. Doch dann wurde die Ordensschwester von ihrer Gemeinschaft kurzfristig für andere Aufgaben herangezogen. Die Stelle sei nun vakant. „Wir hoffen, dass jemand gefunden wird, der oder die die Aufgabe übernimmt.“ Bis dahin sei die Förderung „auf Eis gelegt“. Sitter kann aber auch auf Erfolge blicken. So wurde von 2020 bis 2023 der Aufbau eines Referats „Kommunikation“ in Óbidos mit insgesamt rund 16.000 Euro gefördert. Mauro Nayan, Videojournalist und Verwaltungsassistent, kümmert sich um die Social-Media-Kanäle des brasilianischen Bistums und baute unter anderem auch eine Telefonseelsorge auf. „Die Unterstützung hat dazu geführt, dass er mit seiner Arbeit überzeugen konnte und die Präsenz in den Medien als wichtig erachtet wurde“, sagt Sitter.
Solidaritätsfonds „Weinbergsarbeiter:innen“ sucht Förderer
Seit rund 30 Jahren gibt es den Solidaritätsfonds „Weinbergsarbeiter:innen“ der Berufsgruppe der Pastoralassistent:innen und Pastoralreferent:innen der Diözese Würzburg. Zum Zeitpunkt der Gründung seien in der Regel nur fünf Pastoralreferenten pro Jahrgang in den Dienst der Diözese übernommen worden. Ziel des Solifonds war es, den arbeitslosen Kolleginnen und Kollegen den Berufseinstieg zu ermöglichen. Als das nicht mehr nötig war, wurden unter anderem auch Stellen für Sozialpädagogen gefördert. Seit 2014 werden Personalprojekte in den Partnerbistümern Mbinga und Óbidos unterstützt. Doch „die großen Jahrgänge gehen nun in Rente“, sagt Burkhard Pechtl, selbst Pastoralreferent. Deshalb wolle man auch junge Kolleginnen und Kollegen sowie die Gemeindereferentinnen und -referenten dafür begeistern. Informationen zum Solidaritätsfonds „Weinbergsarbeiter:innen“ gibt es im Internet unter pastoralreferenten.bistum-wuerzburg.de/solidaritaetsfonds/ oder bei der Diözesanstelle Weltkirche, Telefon 0931/38665120, E-Mail weltkirche@bistum-wuerzburg.de.
Wer den Solidaritätsfonds „Weinbergsarbeiter:innen“ unterstützen möchte, kann dies auch mit einer Spende tun: Solidaritätsfonds der Diözese Würzburg, Stichwort „Weinbergsarbeiter“, Liga Bank Würzburg, IBAN DE70 7509 0300 0003 0000 44, BIC GENODEF1M05.
20.02.2025 sti (POW)